hirngedöns

Meine Radiusköpfchentrümmerfraktur und Ich

Bildschirmfoto 2013-05-24 um 13.41.48_watermarkedEigentlich versuche ich es zu vermeiden, allzu private und persönliche Details ins Netz zu bringen – so auch in diesem Falle. Da ich aber auch nach der Diagnose nach verschiedensten Informationen und Erfahrungen gesucht habe, habe ich mich dazu entschlossen, hier auch einmal meinen Verlauf zu schildern. Vielleicht kann es den ein oder anderen ja ein wenig beruhigen oder weiterhelfen, notfalls sehe ich es einfach mal als „mein Ventil“ an. Aber, worum geht es überhaupt?

Nunja, Anfang Februar – genau zu sein in der Nacht von Tulpensonntag auf Rosenmontag (ja, ist unter den Ärzten so etwas wie ein Running Gag geworden ^^) – bin ich relativ ungünstig auf nassem Boden ausgerutscht und bin, wohl in einem Versuch, den Sturz abzufangen, mit ausgestrecktem Arm auf die Hand geknallt. Schmerzen waren da, zu dem Zeitpunkt konnte ich den Arm jedoch noch minimal bewegen, die Finger waren ebenso voll funktionsfähig. Mein Gedanke war daher eher bei einer Prellung und so wartete ich also erst einmal die Nacht ab. Der nächste Morgen schockierte mich ein wenig: Der Arm strahlte in allen erdenklichen Farben vor sich hin und inklusive Finger wies er fast den doppelten Umfang auf. „Okay“, dachte ich mir und hab mich dann doch lieber mal in die Notaufnahme des nächstgelegenen Krankenhaus begeben.

Dort dann das typische Krankenhaus-Prozedere, welches ich noch häufiger durchlaufen sollte: Anmelden. Warten. Mit dem Arzt sprechen. Röntgen. Warten. Mit dem Arzt sprechen. Seine Diagnose: Radiusköpfchenfraktur. Nein, nicht nur eine Radiusköpfchenfraktur, sondern eine Radiusköpfchentrümmerfraktur. Sprich: Das körpernahe Gelenk der Speiche (= medizinisch Radius) ist völlig hinüber. Für die, die das Radiusköpfchen nicht kennen: Es ist eines von drei Gelenken im Ellenbogen und neben der Streck- und Beugebewegung vor allem für die Umwendebewegung (Pronation & Supination), also die Drehung des Unterarmes, zuständig.

Die Aussage des dortigen Arztes: Muss operiert werden, komplizierte Sache, macht man in dem Krankenhaus nicht – hier sollte ich mich an ein größeres Krankenhaus wenden, die solche Erfahrungen aufweisen können. Ansonsten keine Reaktion auf Fragen oder dergleichen, diese wurden einfach ignoriert. Ich war aber in dem Moment sowieso genug bedient und musste mir ja eh ein anderen Krankenhaus suchen, daher beließ ich es dabei und schlucke ein „A*rschlocharzt“ herunter. Der Arm wurde dann erst einmal in 90°-Position ruhig gestellt und ich wurde dann weiterverwiesen. Über meinen Hausarzt bekam ich dann vom Chefarzt des Krankenhauses die Empfehlung, es einmal in Krankenhaus XY zu versuchen – die sind auf Gelenke spezialisiert. Also gut, ab in die Notaufnahme.

Hier gab es dann die übrigen Vorgespräche und nochmaligen Diagnosen; kannte ich ja bereits, dennoch ist es eigentlich alles andere als beruhigend, wenn auf einmal neben einer Krankenschwester und dem Assistenzarzt auch noch zwei Oberärzte und der Chefarzt vorbeischauen. Man wolle aufgrund meines Alters das Radiusköpfchen unbedingt versuchen zu erhalten, wäre ich 10…20 Jahre älter, so wurde man dies einfach entfernen, da ohne eine gewisse Instabilität auftreten würde. Die Planung: es sollten in einer OP Schrauben und eine T-Platte eingesetzt werden – wie gesagt, Planung. Der (erste) OP-Termin war dann gute vier Tage nach dem Sturz – letztlich landete ich dann, nach einem auskurierten grippalen Infekt, nochmals rund sieben Tage später auf dem OP-Tisch. Und hier muss der operierende Arzt wohl so etwas wie ein „Happening“ gehabt haben.

Ich muss dazu sagen, dass vorab keine CT-Aufnahmen gemacht wurden, da ich die Frage, ob der Ellenbogen auch ausgekugelt gewesen sei, eigentlich für mich klar verneinen konnte und die Röntgenbilder aufgrund der fehlenden Drehmöglichkeiten des Unterarmes auch unter erschwerten Bedingungen entstanden sind. Ein paar Details zur OP: Geplant waren 75 Minuten, gedauert hat es letztlich fast die dreifache Zeit. Kapselverschluss und Ringband waren gerissen und mussten später noch genäht werden, der Ellenbogen war also doch ausgekugelt – und den muss ich mir wohl irgendwann in der Nacht des Sturzes wieder eingerenkt haben. Der stark dislokalisierte Bruch bestand in der Summe aus 7 Fragmenten, wobei zwei davon auf Risse (4 und 10 Zentimeter) vom Gelenkkopf in die Speiche fallen. Da das Radiusköpfchen so dermaßen „zerhauen“ war, konnte die T-Platte nicht eingesetzt werden und so wurden mit fünf winkelstabile Schrauben eingesetzt. Zwei in den Speichenhals, drei ins Gelenk.

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Nach rund vier Tagen Krankenhausaufenthalt (über’s Wochenende ist immer doof – wird eh nichts gemacht) bin ich dann schon wieder entlassen worden. Das weitere procedere: 4 Wochen Gipsschiene, eine Woche völlige Ruhigstellung, danach zwei Mal die Woche Krankengymnastik aus der Schiene heraus. Wie zu dem Zeitpunkt die Bewegung aussah? Es gab keine. Ausgehend von 90° – also der Gipsposition – ging gar nichts. Nada. Null. Jedoch schlug die Krankengymnastik (Manuelle Therapie) sehr gut an und ich bin was die Streckung und Beugung angeht, heute schon über dem, was die Ärzte prognostiziert hatten: 160° Streckung und 10-20° Beugung. So Pi-mal-Auge. Was die Umwendebewegung (Pro- & Supination) angeht, so tut sich fast gar nichts. Pronation so an die 15 Grad, Supination vielleicht wenn überhaupt 5°. Ich muss dazu sagen: Ich bin vorher natürlich aufgeklärt worden, dass die Streckung und Beugung immer mit einem kleinen Defizit belastet sein wird (zum Beispiel, dass ich nicht mehr mit der rechten Hand an die rechte Schulter komme), die Drehung des Unterarmes sollte aber fast wieder ganz zurückkommen.

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Letzteres ist eben wie gesagt bis heute nicht der Fall, sondern der Versuch der Drehung bereitet mir noch dazu enorme Schmerzen und verursachen ein leichtes Knirschen im Ellbogengelenk – weshalb ich auch vor gut drei Wochen von meinem Orthopäden nochmals in das operierende Krankenhaus überwiesen wurde. Dort wurde der Arm dann nochmals geröngt („Den Arm bitte zum Röntgen einmal drehen.“ – „Nope, klappt ja nicht“). Das Fazit des Arztes (nicht „mein“ Operateur): Verzögerte Bruchheilung, sprich der Bruch ist noch nicht wirklich knöchern durchbaut. Seine Behandlungsempfehlung: Sobald der Bruch verheilt ist, sollten die Schrauben entfernt werden und in der gleichen OP eine Arthrolyse durchgeführt.

Mit dem Bericht bin ich dann also ein paar Tage später wieder zu meinem Orthopäden hin, welcher die verzögerte Bruchheilung wahrnahm. Zum Thema Arthrolyse schlug er jedoch (genau wie auch mein Physiotherapeut) die Hände über den Kopf zusammen. Kurze Laien-Erklärung: Bei einer Arthrolyse wird die Bewegungsfähigkeit des Gelenkes quasi „auf Biegen und Brechen“ unter Narkose wiederhergestellt – gerade im Ellenbogen, wo Nerven, Muskeln und alles was sich sonst noch so darin befindet, sehr eng beieinander liegen ist das heute eigentlich nicht mehr zu empfehlen. „Ist etwas wie Lotto“, so die Aussage. Gehe ich nach den Erfahrungen meines Physiotherapeuten, so ist die Chance, dass der gewonnene Bewegungsspielraum eingeschränkt wird und ob die Drehung besser wird, ist auch offen. Kann. Muss aber nicht.

Also überwies mich mein Orthopäde erst einmal in die nächstgelegene Radiologie um dort ein ein Schnittbild des Ellenbogen anfertigen zu lassen – CT, Computertomographie. Dauert dann natürlich ein paar Tage bis der Befund des Radiologen da war. Seine Diagnose: Verzögerte Bruchheilung (also nichts Neues), Gelenkerguss. Das alleine wäre nicht schlimm gewesen, hätte man einfach noch ein wenig warten können, aber: Eines der Fragmente hat sich scheinbar gelöst und hat sich verschoben (O-Ton: „ventral disloziert), außerdem gibt es einen kleinen Spalt zwischen den restlichen Fragmenten (medizinisch: Dehiszenz). Die Verschiebung könnte die Bewegungseinschränkung bei der Drehung erklären. Meh.

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Die Meinung des Orthopäden: Man sollte sich Gedanken über eine Radiusköpfchenresektion machen. Sprich: Eine Entfernung des Radiusköpfchen. Er wolle sich aber noch mal eine zweite Meinung einholen und überwies mich in die Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik in Duisburg, für solche Fälle im Prinzip die beste Klinik im Umkreis. Gut vier Tage später dann also dahin, wieder das altbekannte Procedere: Anmelden. Warten. Befunde und Röntgenbilder digitalisieren lassen. Warten.

Als ich dann im Behandlungszimmer wartete, folgte nach kurzer Zeit auch der Oberarzt und brachte eine Überweisung für ein CT mit. Auf den letzten Röntgenbildern könne man ein Stückchen Knochen sehen, welches da so nicht hingehört. Kann vom Radiusköpfchen sein, kann aber auch vom Gelenk der Elle stammen, daher müsse man erst einmal ein CT abwarten. What the fuck? Hätten die das im Krankenhaus, als eine Arthrolyse empfohlen wurde, vorher nicht auch schon sehen müssen? Hätte, hätte, Fahrradkette. Nach kurzer Aufklärung, dass ich ja die CT-Bilder (konnten nicht digitalisiert werden) dabei hätte, war das Thema auch schon wieder vom Tisch – seine Meinung wurde jedoch nicht besser.

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Das Gelenk ist so zerstört, dass es keinen Sinn machen würde, hier nochmals einen Versuch zu starten, das Gelenk zusammenzuflicken. Irreparabel also. Auch er ist der Meinung, dass eine Radiusköpfchenresektion notwendig ist. Dabei würde der Ellenbogen zwar etwas instabiler werden – als Beispiel nannte er zum Beispiel Liegestützen, welche dann eben eventuell nicht mehr funktionieren werden. Okay, mache ich nicht so oft, aber ist halt ein gutes Beispiel. Die axiale Kraft (z.B. um Kisten zu heben) wäre aber dennoch vorhanden – Tiefbau wäre dennoch kein gutes Berufsfeld für mich. Auch gut, bin ich nicht, nicht weiter tragisch. Die Schmerzen würden jedoch vergehen und die Bewegung (egal ob Streckung/Beugung oder Drehung) würde mindestens so gut werden wie es derzeit ist, wenn nicht sogar besser; die Drehung würde fast gänzlich wieder zurückkommen. Eventuell könne man auch eine Radiusköpfchenprothese einsetzen, das aber muss während der OP geschaut werden, da es davon abhängig ist, wie weit man das Radiusköpfchen entfernen muss und wie weit die Speiche eingerissen ist. Allerdings: Ohne Prothese ist die Bewegung besser, mit Prothese die Stabilität. Schwarz oder weiß quasi. Aber egal wie man bei der Operation vorgeht: Etwa fünf Tage Krankenhausaufenthalt, eine Woche komplette Ruhigstellung, danach Gips ab und dann erst normale Krankengymnastik (Manuelle Therapie), dann aktive Krankengymnastik – nach 6-8 Wochen sollte es wieder einigermaßen „rund“ sein.

Und so stehe ich nun an genau diesem Zeitpunkt und warte darauf, dass der entsprechende Bericht bei meinem Orthopäden landet. Irgendwie habe ich bis zum Schluss noch darauf gehofft, dass man das Radiusköpfchen retten könnte – nicht, weil beides Vor- und Nachteile hätte, sondern einfach, weil dann ein Stück Knochen fehlt und dieser Schritt der Entfernung so endgültig ist. Der Versuch, das Radiusköpfchen zu erhalten ist eben nicht aufgegangen, aber wenn es hilft, muss man eben durch. Aktueller Stand: Schmerzen, Bewegungseinschränkung und rund 15 Wochen KzH. To Be Continued…

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